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bedeutende Persönlichkeiten

Bonifatius

 

Bonifatius (* um 675 n. Chr. in Angelsachsen bei Exeter, + 05.04. 754 in der Nähe von Dokkum in Friesland) Bonifatius kam schon als Kind ins Kloster, wurde später selbst Lehrer im Kloster Exeter, schrieb eine erhaltene Grammatik und wollte mit ca. 40 Jahren Missionar werden. Er begab sich 718/719 auf seine erste Reise nach Rom, um von Papst Gregor II. die Beauftragung als Missionar für Germanien zu erhalten. Nach einem zweiten Aufenthalt in Friesland wendete er sich 720 nach Hessen gründete dort die Klöster Amöneburg (721) und Fritzlar (723 n. Chr. als Missionsstation und 732 n. Chr. als Klostergründung) und um 725 n. Chr. sein erstes Kloster in Thüringen: Ohrdruf. In seiner um 760 n. Chr. entstandenen Vita des Willibald steht im 6. Kapitel:

"Da nun allmählich die Menge der Gläubigen zunahm und zur gleichen Zeit auch die Zahl der Prediger sich vervielfältigte, wurden mit einemmal auch Kirchen aufgerichtet, und es ergoß sich mannigfach die Predigt seiner Lehre. Auch wurde ein Kloster  in einem Orte namens Orthorpf (Ohrdruf) errichtet, nachdem man vorher eine Vereinigung von Gottesknechten und Mönchen, die in hoher Heiligkeit lebten, zustande gebracht. Diese erwarben sich nach dem Beispiel der Apostel mit ihren eigenen Händen in emsiger Arbeit Lebensunterhalt und Kleidung." [1]

Zehn Jahre wirkte Bonifatius in Hessen und Thüringen, dann wurde er 732 n. Chr. Erzbischof und erweiterte sein Aufgabengebiet, gründete 743 die Bistümer Büraburg, Würzburg und Erfurt, die er dann später als Erzbischof seinem Bistum Mainz eingliederte. Er hielt mehrere Synoden ab und starb im hohen Alter am 05.06. 754 bei Dokkum durch einen Überfall heidnischer Friesen.

 

[1] Reinhold Rau, Briefe des Bonifatius/ Willibalds Leben des Bonifatius, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 3. Unveränderte Auflage 1994 S. 497

 

Johann Paul Friedrich Krügelstein

Johann Paul Friedrich Krügelstein, geb. 1738 in Gotha, gestorben 1813 in Ohrdruf kam 1761 als Landphysicus von Gotha nach Ohrdruf und wohnte am Bonifatiusplatz 3, dem damaligen Endleich. Johann Friedrich Krügelstein hatte 11 Kinder.

Fürst Heinrich August Wilhelm von Hohenlohe ernannte Krügelstein 1766 zu seinem Hofmedicus.

Er wurde vierter Bürgermeister (die Ohrdrufer Verfassung vor 1740 nennt sechs Bürgermeister und von 1740 an nur noch vier). Heute sind diese mit den Beigeordneten zu vergleichen

Seine besondere Sorge galt den Finanzen, dem Stadtwald und der Feuersicherheit.

 

In den Jahren 1798, 1799 und 1800 erschien beim Voss Verlag in Leipzig J. F. Krügelsteins „Vollständiges System der Feuerpolizeywissenschaften". Mit diesem Buch schuf er ein Standardwerk, dass bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts Gültigkeit für die Feuerwehren in ganz Deutschland hatte. (In der Forschungsbibliothek Gotha sind die Bände 1 und 2 vorhanden).

Anlass für diese Buch war sicher auch der große Stadtbrand in seiner Heimatstadt Ohrdruf im Jahre 1753. Bei der Abhandlung der einzelnen Kapitel wird immer wieder Bezug auf die in Ohrdruf gesammelten Erfahrungen genommen. Die beim Wiederaufbau der Stadt gemachten Fehler werden schonungslos aufgedeckt.

 

In den Hungerjahren zwischen 1771 und 1772 wirkte er unermüdlich als Arzt und unterstützte die Ärmsten, indem er eine Zeitschrift mit dem Titel „Beherzigung der Zeit" herausgab, deren Erträge restlos den Armen zur Verfügung gestellt werden sollten.

In seinem Testament bestimmte er, dass aus dem überschüssigen Geld eine Krankenanstalt gegründet werden sollte. 1817 wurde dieser Plan von seinem Sohn und Nachfolger Franz Christian Carl verwirklicht. Das erste Krankenhaus in Ohrdruf befand sich im Winkel 5 -7 und ist als Gebäude noch heute vorhanden.

 

In der Zeit von 1788 bis 1792 archivierte Krügelstein mit seinen drei ältesten Söhnen das Ohrdrufer Archiv mit seinen Akten, Urkunden und Protokollen und legte sog. Repertorien an, welche noch heute vorhanden sind. Das historische Stadtarchiv von Ohrdruf ist in den meisten Beständen noch heute nach der Krügelsteinschen Ordnung  inventarisiert.

 

In den Kriegsjahren 1806 - 1813 war er erster Bürgermeister von Ohrdruf.

Krügelstein bezeichnet sich 1807 als adjungierter Amts- und Stadt-Physiker zu Ohrdruf,

1807 schrieb er das „Handbuch der allgemeinen Krankenpflege".

 

1808 erlebte er den zweiten großen Stadtbrand von Ohrdruf, bei welchem das Rathaus und die Michaeliskirche zerstört wurden. Krügelstein soll, obwohl er durch einen Unfall gehbehindert war, einen großen Teil von Akten aus dem bereits brennenden Rathaus gerettet haben.

Krügelstein spendete Geld aus seinem Vermögen und verkaufte seine Gedichtsammlung zu Gunsten des Wiederaufbaus der Ohrdrufer St. Michaeliskirche.

1810 ernannte ihn der Herzog zum „herzoglichen Rat"

Am 26. Juli 1813 verstarb Johann Friedrich Krügelstein in Ohrdruf. Im Schul-programm von 1813 bezeichnet sein Sohn, der Direktor des Ohrdrufer Lyceums war,  seinen Vater „als den Begründer seiner ganzen Bildung zum Menschen und Gelehrten".

 

Krügelstein war neben seiner Arbeit als Arzt und Bürgermeister auch der Chronist jener Zeit.

Er schrieb Zeitereignisse auf, welche aber durch den Brand 1808 verloren gingen.

Nach einem Aufsatz, Lebensbilder aus der Familie Krügelstein von städtischen Archivar Karl Talk, hat Krügelstein einem Schreiber seine Gedanken zur Geschichte Ohrdufs diktiert, die zum Teil ebenfalls erhalten sind. So auch die Ratsannalen „Annales Magistratus Ohrdruffiensis" und die „Chronik für Ohrdruf", „Das Traumbuch" (so genannt weil er die Geschichte einem Bürgermeister erzählt, der ihm im Traum erschienen ist und der 100 Jahre früher gelebt hat).

 

Seine Söhne und Enkel waren ebenfalls bekannte Ohrdrufer Persönlichkeiten und durch ihr Wirken der weiteren Entwicklung der Stadt sehr förderlich.

Johann Ernst Friedrich 1768-1834 war Hof- und Konsistorialrat zu Ohrdruf, Johann Benjamin Krügelstein 1772-1850

Johann Christian Friedrich 1774-1849, der dritte Sohn, studierte in Jena und Göttingen und erhielt seinen Dr. Grad am 22. Oktober 1795. Er war Kirchen- und Schulrat sowie Direktor des Lyzeums zu Ohrdruf seit 1798. Er gründete die Sonntagsschule, die spätere Fortbildungsschule und heutige Berufsschule. Eine Kleinkinderbewahranstalt und andere Jugendeinrichtungen können ebenfalls ihm zugeschrieben.

 

Franz Christian Karl 1779-1864, der vierte Sohn studierte in Jena und Würzburg Medizin und erwarb 1808 den Dr. Grad. Er war eine Autorität im Bereich der Gerichtsmedizin und schrieb 74 medizinische Abhandlungen unter anderem die „Topografia medica Ordruffiensis" und hatte den Titel Medizinalrat zu Ohrdruf inne. Die Bezeichnung Medizinalrat wurde Ärzten meist erst nach jahrelanger beruflicher Tätigkeit verliehen. Daraus ist zu schließen, dass Krügelstein einen Großteil seines Lebens in Ohrdruf als Amts- und Stadtphysikus verbracht hatte. Sein Name ist auf das Engste mit dem ersten Krankenhaus in Ohrdruf verbunden.

 

In der folgenden Generation war Ernst Gustav Eduard Krügelstein 1806-1890, ein Sohn von Johann Ernst Friedrich, Superintendent in Ohrdruf.

Mit Neuauflage der „Kügelsteinchronik" soll einer Persönlichkeit gedacht werden, die uneigennützig für das Wohl der Bevölkerung von Ohrdruf eintrat und der Stadt ein wertvolles kulturelles Erbe hinterlassen hat.

 

Richard Muther

Albert Carl Richard Muther, einer der prominentesten deutschen Kunsthistoriker seiner Zeit, wurde am 25. Februar 1860, 12.00 Uhr mittags, als 1. Kind und 1. Sohn, des Ehepaares Ernst Carl Wilhelm Muther und Mathilde Muther, geb. Krügelstein, in Ohrdruf geboren. Richards Vater Ernst Carl Wilhelm Muther war Kaufmann und Geschäftsführer in der Stadt Ohrdruf. Muthers Mutter Mathilda war eine Enkelin vom Hof- und Konsistorialrat Johann Ernst Friedrich Krügelstein (1768-1834) und Tochter des Superintendenten Ernst Gustav Eduard Krügelstein (1806-1890). Damit war Richard Muther ein direkter Nachfahre des bekannten Ohrdrufer Bürgermeisters, Arztes und Chronisten Johann Friedrich Krügelstein (1738-1813).

Das Elternhaus und wahrscheinlich auch das Geburtshaus von Richard Muther stand in der Hospitalgasse 6 (heute Krügelsteinstraße).

 

Von  Ostern 1868 - 1875 besuchte Muther die Michaelisschule in Ohrdruf und wechselte dann in die Prima des Gymnasiums Ernestinum in Gotha. Beim  Wechseln der Schulen attestierte der Ohrdrufer Schuldirektor dem damals 15-jährigen:

„Gut befähigt und musterhaft fleißig leistet er namentlich in der alten Sprache Vorzügliches, weniger in Mathematik und Physik; Benehmen und sittliches Verhalten musterhaft." Ab 1877 studierte Muther in Heidelberg. Nach einer Reise durch Italien setzte er 1881 sein Studium unter Anton Springer in Leipzig fort und schrieb seine Dissertation über den Künstler Anton Graff.

 

Ab 1885 hatte er an der Alten Pinakothek München eine Stelle als Kurator inne. 1894 erschien das Buch „Geschichte der Malerei im 19. Jahrhundert" welches sofort in Englisch und einige andere Sprachen übersetzt wurde.

1899-1902 schrieb Muther die Geschichte der Malerei in fünf Bänden. Darin behandelte er unter anderem:

 

Band 1: 568 Seiten.

Italien bis zum Ende der Renaissance. Malerei des Mittelalters. Piero della Francesca. Die Mailänder. Die Florentiner. Schönheitsbegriff der Klassik. Kreis um Tizian, Michelangelo. Raffael. Freskomalerei.

 

Band 2: 590 Seiten.

Die Renaissance im Norden und die Barockzeit.

Renaissance in den Niederlanden. Elsass und Schwaben. Geist und Stil des Barock. Tintoretto. Caravaggio. Spanische Malerei. Kreis um Rubens. Frankreich bis 1650. Ludwig IV. Frans Hals Kreis. Rembrandt. Die holländischen Genre- und Landschaftsmaler.

 

Band 3: 602 Seiten

18. und 19. Jahrhundert. Geist des Rokoko. Watteau. England in der Kunst. Boucher. Fragonard. Revolution und Empire. Goya. Frankreich bis 1870. Skandinavien, Schottland, Amerika. Deutschland und Österreich bis und seit 1880.

 

Zum Freundeskreis von Richard Muther gehörten unter anderem die Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke, der Komponist Richard Strauß, der dänische Literaturkritiker, Schriftsteller und Philosoph Georg Brandes sowie der Arzt und Tiefenpsychologe Sigmund Freud.

Muthers Bücher wurden in die bekannte und beliebte Reihe „Sammlung Göschen" als Bände 107 -111 aufgenommen. Er starb im Jahr 1909 in Wölfelsgrund bei Breslau. Bis heute ist das Werk Richard Muthers in der Kunstszene nicht vergessen, denn seine Bücher sind heute noch als Hörbuch auf CD erhältlich.

Bildhauer Professor Otto Stichling

Otto Stichling wurde am 10. April 1866 in Ohrdruf als unehelicher Sohn von Auguste Wilhelmine Rosalie Stichling geboren. Auguste Wilhelmine, die einzige Tochter des Ohrdrufer Schumachermeisters Johann Christian Friedrich Stichling war zum Zeitpunkt der Niederkunft selbst gerade 18 Jahre alt und dürfte über keinen eigenen Hausstand verfügt haben. Wir können davon ausgehen, dass Otto Stichling im Hause der Großeltern, Waldstraße 59, geboren wurde. Die Taufe wurde am 29. April 1866 in der Trinitatiskirche durch Pastor Krügelstein vollzogen. Da der Name des Kindesvaters nicht bekannt war, sollte der Knabe „laut Notification des herzogl. Justizamtes vom 29. Mai 1866 den Zunahmen der Mutter „Stichling" führen". Die Mutter heiratete am 26.07.1868 den Ohrdrufer Schneidermeister Wilhelm Bernhard Frommann, so das Otto einen großen Teil seiner Kindheit im Haus des Schneidermeisters in der Waldstraße 20 verbracht haben dürfte. Damit war der etwas holprige Start ins Leben gemeistert.

Otto besuchte die hiesige Bürgerschule. Erste handwerkliche Fertigkeiten hat sich der Knabe in den Werkstätten seines Stiefvaters bzw. Großvaters abgeschaut oder auch angeeignet. Der berufliche Werdegang ist eng mit der Wirtschaftsstruktur seiner Heimatstadt verbunden. Um 1880 gab es in Ohrdruf mehrere Porzellanfabriken und Puppenfabriken. Otto absolvierte eine Lehre als Porzellanmaler bei der bekannten Porzellanmanufaktur Kestner & Comp. in Ohrdruf. Dabei hat er ohne Zweifel auch einen ersten Eindruck von der Arbeit der Porzellanmodelleure bekommen und seine weiteren Aktivitäten in diese Richtung gelenkt. (Einen ähnlichen Werdegang hatte im Übrigen der bekannte Bildhauer Robert Korn aus Salzungen. Dieser begann seine berufliche Laufbahn 1887 als Modelleur-Lehrling bei der Ohrdrufer Porzellanfirma Bähr und Pröschild in der Gothaer Straße.)

Zu diesem Zeitpunkt 1886 bis 1893 war Otto Stichling bereits an der Akademischen Hochschule für bildende Künste in Berlin. Otto lernte unter anderem bei Fritz Schaper (31.07.1871 - 29.11.1919) und Ernst Herter (14.05.1846 - 19.12.1917). Mit dieser Ausbildung arbeitete er dann in den Ateliers der Professoren Josef Uphues (23.05.1850 - 02.01.1911) und Gustav Heinrich Eberlein (14.07.1847 - 05.02.1926). Damit war der junge Künstler ganz wesentlich durch vier der bedeutendsten Bildhauern ihrer Zeit beeinflusst und geprägt worden.

In den Jahren 1901 und 1902 war Stichling am Umbau des Wohnhauses von Kommerzienrat Ernst Paul Lehmann, einem Fabrikanten für Blechspielzeug, in Brandenburg an der Havel beteiligt. Diese Arbeiten wurden von Prof. Bruno Möhring einem Architekten aus Berling geleitet. Die gemeinsame Arbeit der beiden setzte sich ab 1902 in der Mitgliedschaft im „Werkring" fort. Einer Vereinigung Berliner Künstler, die eigens für einen gemeinsamen Auftritt bei der 1. Internationalen Ausstellung für Kunstgewerbe im Sommer 1902 in Turin gegründet wurde. Der „Werkring" firmierte unter dem gemeinsamen Dach „Vereinigung für Haus- und Wohnkunst. Die Vereinigung überdauerte die Turiner Ausstellung und trat auch 1904 gemeinsam bei der Weltausstellung in St. Louis auf. Hier wurde Otto Stichling die Große Goldene Medaille verliehen. Er hatte für die Weltausstellung die Brunnenfiguren auf dem Ehrenhof geschaffen.

Von Berlin führte der Weg an die Kunstschule nach Hamburg Altona, wo er von 1907 bis 1910 als Lehrer tätig war und dem AKV (Altonaer Künstlerverein) angehörte. In Hamburg Wandsbeck steht die 1905 gegossene Frauenfigur „Junges Weib" am Eingang des Eichtalparkes.

Die letzte Station seines bewegten aber viel zu kurzen Lebens war Berlin Charlottenburg wo er bis zu seinem Tode 1912 an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule als Lehrer tätig war.

Zu den bekanntesten Arbeiten von Otto Stichling gehören: die Figur eines nackten Mädchens, diese wurde von der Nationalgalerie erworben. Vier große Bronzefiguren auf dem Turm des Charlottenburger Rathauses und vier Bronzefiguren, welche die Künste Plastik, Musik, Malerei und Dichtung darstellen.

Des Weiteren stammen zahlreiche künstlerische Grabmale aus der Werkstatt des Künstlers. Erhalten ist das 1905 entstandene Wandgrab der Fam. Kurtze mit einem sehr schönen Bronzerelief auf dem Friedhof II der Georgen-Parochialgemeinde in Berlin und das Grabdenkmal die „Trauernde" auf dem alten Friedhof der St.-Nikolai- und St.- Marien-Gemeinde an der Prenzlauer Allee.

Stichling hat aber auch wesentliche Impulse auf dem Gebiet der Inneneinrichtung von Hotels und Wohnungen gegeben. Beispiele dafür: ein Marmorrelief am berühmten Hotel „Adlon" in Berlin und die Schaffung von Möbeln mit Bildhauerarbeiten und von künstlerisch gestalteten Beleuchtungskörpern.

In Ohrdruf erinnern lediglich ein paar Fotos im Museum Schloss Ehrenstein an das Wirken dieses vor über 100 Jahren gefragten Bildhauers. Im Jahr 2016 würde Otto Stichling seinen 150. Geburtstag feiern. Es wäre schön, wenn bis dahin weitere Fakten aus dem Leben von Otto Stichling zusammengetragen werden könnten. Vielleicht ist es auch möglich, einmal eine Sonderausstellung zu diesem ohne Zweifel bedeutenden Sohn der Stadt zusammen zu tragen.

 

Manfred Ständer 2013

Bildhauer Johann Robert Korn

Johann Robert Korn wurde am 15.02.1873 in Salzungen geboren. Nach dem frühen Tod der Mutter zog er mit seinem Vater, dem Maschinenmeister Peter Gustav Korn, nach Ohrdruf. Am  25.11.1882 heiratete Peter Gustav Korn die Witwe Marie Phillipine Häfeberg  geb. Seydenfaden. Zu den Trauzeugen gehörte auch der Ohrdrufer Brauereibesitzer Theodor Alt, der wie sich später herausstellte ganz sicher geschäftliche Beziehungen unterhielt. Ein Jahr später wird Peter Gustav Korn als Gastwirt geführt. Das können wir der Geburtsurkunde des ersten Halbbruders Wilhelm Carl entnehmen. Bis 1888 folgen drei weitere Halbgeschwister. Außerdem brachte die Stiefmutter bereits Kinder mit in die Ehe. Elly John, Nachbarin, Spielgefährtin und spätere Ehefrau von Robert Korn beschreibt die Lebensumstände von Robert wie folgt: „... hatten wir auch manchen Streich zusammen gedreht. Aber o Weh, er hatte einen sehr strengen Vater und eine Stiefmutter, die ihm nicht viel Liebe entgegenbrachte."

So begann der junge Robert Korn bei Zeiten seinen eigenen Weg zu suchen. Mit viel Liebe und Interesse und der fast väterlichen Unterstützung durch seinen Schulzeichenlehrer, der ihm viele, viele Sonntagvormittage widmete, entwickelte er sich schnell zu einem guten Zeichner. So verbrachte er wohl die schönsten Stunden seiner Jugend mit seinen Spielfreunden und seinem Zeichenlehrer in der freien Natur rund um die Stadt Ohrdruf.

1887 begann Robert Korn eine Lehre als Modelleur bei einer Ohrdrufer Porzellanmanufaktur Bähr & Pröschild. Zu dieser Zeit waren Tiere und die figürlichen Porzellane besonders gefragte Artikel und fanden guten Absatz im In- und Ausland. In diesen Jahren hatte Robert Korn die zwei großen Lieben seines Lebens gefunden, die ein Leben lang halten sollten: Elly John, die er am 04.11.1902 heiratete und die Kunst.

In beide musste er viel Kraft und Liebe investieren! Obwohl die Eltern von Elly den guten Freund sehr mochten, war ein Künstler, so ein armen Schlucker nicht unbedingt das, was sie sich für ihre Tochter vorgestellt hatten.

Beruflich führte sein Weg nach Berlin, wo er ab dem 01.05.1890 die Kunstschule besuchte. 1894 bzw. 1895 folgten die Kunstgewerbeschule und die Kunstakademie Berlin. Hier wurde er unter anderen von Prof. Gerhard Janensch und Peter Breuer unterrichtet. Robert Korn richtete sich sein eigenes Atelier in Berlin ein - es entstanden die ersten selbstständigen Arbeiten - 1896 der Schimpanse und 1897 der Asiat, genannt Bembe. Nach dem Tod des Ohrdrufer Bürgermeisters Julius Strenge im Jahre 1899 kam der Auftrag zur Gestaltung eines Porträtreliefs aus der Heimatstadt. Im Dezember 1899 beteiligte sich der junge Künstler an der Ausschreibung für ein Denkmal für Ernst den Frommen vor dem Gothaer Schloss Friedenstein. Korn erreichte mit seinen Entwürfen einen guten zweiten Platz obwohl sich eine Vielzahl Professoren aus Berlin und Dresden beteiligt  hatten. Der Gewinn hätte nicht nur einen guten Start in die berufliche Karriere bedeutet, er hätte auch geholfen, alle anfänglichen Bedenken der lieben Schwiegermutter wegzuwischen. Ein Jahr später kam der Auftrag für ein Denkmal für den im Jahre 1893 verstorbenen Herzog Ernst II. von Sachsen Coburg Gotha. Als das Denkmal im Jahr 1902 in Oberhof enthüllt wurde, fand es großen Beifall bei Publikum und Kunstsachverständigen. Das Denkmal bestand aus zwei Teilen. Ein Porträtrelief des Herzogs und einer Felswand und davor eine Rehgruppe an einer Quelle.

1903 wurde die erste Tochter Katharina Susanne geboren. Im Herbst 1904 hatte sich Robert Korn an einer Ausschreibung für ein Stipendiat in Rom beworben und einen der begehrten Plätze errungen.

Hier in Rom kam das Zwillingspärchen Pia und Romano zur Welt. Leider starb Romano nach wenigen Tagen. Wieder zu Hause in Berlin wurden im Jahre 1906 die Zwillinge Ilse und Helmut geboren. 1908 folgte Sohn Robert. Es entstanden Arbeiten wie zwei Adler, Diana, Rehe und Hirsche, die teils bei Heubach in Porzellan oder bei namhaften Gießereien in Bronze gegossen und auf Ausstellungen gut verkauft wurden. Wenn schnelles, sicheres  Geld gebraucht wurde, fertigte er für die größte Baufirma in Hamburg Statuen und Reliefs. 1909 entstanden verschiedene Grabdenkmale, das Reh mit Kitzen, eine Büste und Putten für die Harnisch-Villa in Südende und natürlich auch wieder Auftragsarbeiten für die Hamburger Baufirma. Außerdem war mit der Geburt des Sohnes Wolfgang die Familie nun komplett.

Ab 1911 war Robert Korn Mitglied im Verein Berliner Künstler.

Von all den vielen Arbeiten soll mindestens eine in der Heimatstadt Ohrdruf entstanden sein. Die Sautreiberin. Dabei hat das Schwein der Familie „Modell" gestanden. Da sich innerhalb der Familie niemand als „Sautreiberin" zur Verfügung  stellen wollte, hat dies dankeswerter Weise eine Nachbarin getan.

1915 wurde Robert Korn als Soldat nach Fürstenwalde einberufen und nach der Grundausbildung  nach Lemberg versetzt, wo er im November 1916 an einer Rippenfellentzündung erkrankte. Bei der Verlegung in ein Lazarett nach Posen infizierte sich der bereits geschwächte Soldat mit Tuberkulose. Die Krankheit konnte eingedämmt aber nicht geheilt werden. So diente Korn noch bis zum Ende des Krieges in verschiedenen Garnisonen in der Etappe.

Für einen Neuanfang als Bildhauer reichte die Kraft nicht, obwohl ihm der Direktor des Berliner Zoos ein schönes Atelier eingerichtet hatte. Im September 1921 verstarb Robert Korn an den Folgen seiner Krankheit.

Manfred Ständer, Juli 2015

 

Quellen:              Elly Korn: „Erinnerungen aus meinem Leben und meiner Zeit"

                               Helga Coning: www.johann-robert-korn.de

                              

Bei der Neugestaltung  der Ausstellungen im Schloss Ehrenstein soll auch Leben und Werk der Ohrdrufer Bildhauer Robert Korn, Otto Stichling und Hermann Schmidt einer breiten Öffentlichkeit

präsentiert werden.

 

Für weitere Informationen, Hinweise oder Leihgaben sind wir Ihnen sehr dankbar!

 

 

 

 

Bildhauer Hermann Schmidt

Hier entsteht ein Beitrag über Hermann Schmidt, den Schöpfer des "Eisernen Michaels" an der Südwestecke des Ohrdrufer Rathauses.

Karl Kötschau

"Kunsthistoriker, * 27.3.1868 Ohrdruf (Thüringen), † 17.4.1949 Düsseldorf.

Nach Schulbesuch in München, Nürnberg und Zwickau (1888 Abitur) diente K. als Einjährig-Freiwilliger in einem sächsischen Infanterie-Regiment. Seit 1890 studierte er in Bonn Kunstgeschichte und Archäologie, unter anderem bei K. Justi. 1890 wechselte er an die Universität Berlin über, wo Grimm, Frey, Furtwängler und Kekulé seine Lehrer waren. 1891/92 studierte er in Straßburg und ging mit seinem Lehrer Michaelis nach Leipzig, wo er 1893 mit der Arbeit „Barthel Beham und der Meister von Meßkirch" zum doctor philosophiae promoviert wurde. Nach Reisen und Studien als Privatgelehrter wurde K. 1896 Volontär an der herzoglichen Bibliothek in Gotha. 1897 erfolgte seine Ernennung zum Direktor der Kunst- und Altertumssammlungen der Veste Coburg. Hier machte er sich durch eine grundlegende Neuordnung der Sammlungen einen Namen. 1900-07 redigierte er die „Zeitschrift für historische Waffenkunde". Über dieses Thema hielt er in Dresden, wo er seit 1902 Direktor des Historischen Museums war, Seminare. 1905 übernahm K. die Redaktion des Dresdner Jahrbuchs der bildenden Kunst und begründete im selben Jahr die Zeitschrift „Museumskunde", die er bis zu deren letztem Jahrgang 1924 herausgab. Als Direktor der herzoglichen Museen und des Goethe-Nationalmuseums in Weimar (1907-09) ordnete er die dortigen Sammlungen nach neuen, von ihm erarbeiteten Gesichtspunkten, was sich auch auf die Einrichtung von Goethes Wohnhaus am Frauenplan und von Schloß Tiefurt bezog. Die nächste Station war Berlin, wo K. 1909-13 das Kaiser-Friedrich-Museum leitete und Kurse in Museumskunde abhielt. Gleichzeitig (1908-14) war er als Gründungsmitglied des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft dessen Verwalter und Schriftführer. 1912-25 oblag ihm die Redaktion des „Repertoriums für Kunstwissenschaft". 1917 gründete K. gemeinsam mit Pauli und Swarzenski den Deutschen Museumsbund. 1913-34 war er Direktor an den anfangs noch provinziell präsentierten Städtisch Kunstsammlungen in Düsseldorf, ordnete sie neu und gab dem Kupferstichkabinett und der einzigartigen Nazarenersammlung die grundsätzliche Disposition. 1928 konnte dank K.s Initiative und auf Grund seiner Anweisungen ein Neubau bezogen werden, der auch die Sammlung des Kunstgewerbemuseums, das Museum Hetjens, die Akademiesammlung und beachtliche Neuerwerbungen aufnahm. Eine Graphische Sammlung und eine Kunstbibliothek fügte K. neu hinzu. Seine Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiete der Museumskunde und -technik gab er in Bonn, wo er seit 1920 als Honorarprofessor las, an junge Kunsthistoriker weiter. Er postulierte und verwirklichte den Gedanken, das Kunstwerk aus seinem dekorativen Dasein innerhalb des Museumsverbandes des 19. Jahrhunderts herauszuheben, es sachgerecht zu behandeln und durch die klare Trennung der verschiedenen Museumsgattungen den didaktischen Anspruch im handwerklichen und wissenschaftlichen Bereich zu betonen. Somit gab K. der Organisation beziehungsweise der Reorganisation des Museumswesens zu Beginn des 20. Jahrhunderts wichtige Impulse.

Werke ? Dt. Plastik u. Malerei, Ill. Führer durch d. Kaiser-Friedrich-Mus., o. J.;  Rhein. Steinzeug, 1924;  Goethe u. d. Gotik, in: Festschr. P. Clemen, 1926;  Rhein. Malerei im 19. Jh., 1928;  zahlreich Aufsätze in verschieden(e) Zeitschriften"

Quelle: www.deutsche-biographie.de

Weitere Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/karl_koetschau

 

Bonifatius bei Papst Gregor II. in Rom

Bonifatius bei Papst Gregor II. in Rom

Bonifatius bei seinem Missionswerk in Thüringen

Bonifatius bei seinem Missionswerk in Thüringen

3 Notgeldscheine der Stadt Ohrdruf aus dem Jahr 1921

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J.P.F. Krügelstein (aus dem Familienarchiv Krügelstein)

J.P.F. Krügelstein (aus dem Familienarchiv Krügelstein)

Reprint der "Krügelsteinchronik"

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das Grabmal von J.F. Krügelstein auf dem alten Ohrdrufer Friedhof

das Grabmal von J.F. Krügelstein auf dem alten Ohrdrufer Friedhof

Richard Muther. Die Geschichte der Malerei in mehreren Bänden

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Verlegt beim Göschen-Verlag in Grimma

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Muther hat sich aber auch einzelnen Küstlern gewidmet.

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Otto Stichling - die Träumende

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Otto Stichling - Junges Weib

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Otto Stichling - Grabmal einer Mutter (Foto: Dr. Fabian Fröhlich)

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Otto Stichling - Der Tanz als Wirkung des Weines - Fassadenfigur Berlin

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Robert Korn - Entwurf für ein Denkmal Ernst der Fromme

Robert Korn - Entwurf für ein Denkmal Ernst der Fromme

Robert Korn - Relief für das Grabmal von Bürgermeister Strenge

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Robert Korn - Diana

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Robert Korn - Die Sautreiberin

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Hermann Schmidt - Der Eiserne Michael am Rathaus Ohrdruf

Hermann Schmidt - Der Eiserne Michael am Rathaus Ohrdruf