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Chronik der Gemeinde Wölfis

Die erste urkundliche Erwähnung von Wölfis( Ulfeasti ) in einer Schenkungsurkunde von Frankenkönig Karl an das Kloster Hersfeld aus dem Jahre 779 beweist, dass unser Ort neben Arnstadt, Mühlberg und Ohrdruf zu den ältesten im Thüringer Raum zählt.

Die Begründung des Ortsnamens ist nicht eindeutig geklärt, zumal er im Laufe der Zeit sich mehrfach wandelte. Aufschlussreich sind dazu die von Roland Fischer ermittelten Deutungen zur Ortsgründung von Wölfis.

Die ältesten Siedlungsstellen sind

  1. Der Klosterhof, der später Erbfreigut wurde und demzufolge auch mehrfach den Besitzer wechselte. 1780 - 1819 bewirtschaftete die Familie Bernhardi den Hof. Sie gab ihm den bis heute gültigen Namen. 1844 kaufte die Karolinenstiftung das Wohnhaus, den Berhardshof, für 575 Taler. 1851 wurde hier die 3. Schule mit Schulwohnung eingerichtet. Im Garten des Bernhardshofes wurde 1887/88 die so genannte Backsteinschule für ca. 10.000,00 Mark gebaut, ein weiterer Schulsaal wurde 1898 aufgestockt. Die „Kleine Schule" (Wohnhaus gegenüber Löhr) wurde für 1.100,00 Taler verkauft.
  2. Es gab in Wölfis auch noch einen zweiten Gutshof, das war der Edelhof, sozusagen über Jahrhunderte der „Herrensitz" von Wölfis. Ursprünglich stand der Edelhof über den Teichen nach Ohrdruf zu. Später war sein Standort in der Herdaischen Straße. Die Gutsherren hatten auch die Gerichtsbarkeit über ihre Untertanen. Wer nicht zu den Gütern gehörte, unterstand der Gerichtsbarkeit des Amtes Wachsenburg. Entsprechend der geteilten Gerichtsbarkeit waren an der Schenke drei Halseisen angebracht, das des Rittergutes, das des Erblehngutes und das des Amtes Wachsenburg. Das „an den Pranger stellen"  war, wie Pfarrer Keil in seiner Chronik bemerkte, „von durchschlagender Wirkung. Denn wer einmal dort im Halseisen auch nur einige Stunden gestanden und den Spott der Leute ertragen hatte, hütete sich vor einem Rückfall in das Vergehen."

Doch die strenge und oft ungerechte Handlungsweise der Gutsherren war zweifellos das kleinere Übel für die Wölfiser Untertanen. Kriege, Seuchen und Brände brachten oft Not und Elend für das Dorf. 1597 starben an der „infizierlichen pestilenzischen Seuche" fast 300 Menschen. Das bedeutete bei der damaligen Einwohnerzahl, dass etwa jeder 3. Wölfiser der Pest erlag. Auch Pfarrer Leon, der berühmteste in der langen Reihe der Wölfiser Pfarrer, war dabei.

Besonders schlimm erging es den Wölfisern im 30jährigen Krieg. Mehr als einmal wurde das Dorf durch versprengte Truppen vollständig ausgeplündert. Man richtete Wachen ein, daher der Name „Wachhügel". Die Zugänge zum Dorf wurden verbarrikadiert. Mehrmals flohen die Einwohner nach Ohrdruf und fanden Schutz hinter den Stadtmauern. Als der Krieg vorüber war, lag fast die Hälfte der Häuser wüst und unbewohnt, weil die Menschen erschlagen, verkommen oder von Krankheiten dahin gerafft waren.

Der Wiederaufbau des Ortes zog sich über Jahrzehnte hin, doch langsam kehrte Ordnung ein. Die erste Gemeindeordnung, welche 1659 wirksam wurde, ist ein Beleg dafür. Sieht man von kleineren Bränden ab, so ereignete sich die nächste Katastrophe im Jahre 1735, der große Brand von Wölfis. Die Kirche, zwei Schulen und 199 Häuser fallen in nur drei Stunden den Flammen zum Opfer. Es brannte innerhalb von 15 Minuten an drei verschiedenen Stellen. Brandstiftung wurde natürlich als Ursache favorisiert. Es konnte zwei Verdächtigen allerdings nichts nachgewiesen werden und so verlief die Ursachenforschung im Sande. 734 Köpfe waren obdachlos, hatten Haus und Hof verloren. Da es keine Versicherung gab, war der Schaden außerordentlich. Doch groß war auch die Hilfsbereitschaft der umliegenden Orte, die mit Lebensmittel- und Geldspenden Hilfe leisteten. Tatkräftig gingen die Wölfiser an den Wiederaufbau und bereits am 28.11.1736 war die Kirche wieder funktionsfähig aufgebaut. 1806, so vermeldet die Kirchenchronik, war Wölfis wieder schuldenfrei.

Auch Wölfis hatte Söhne, die weit über ihre Heimat hinaus bekannt waren. Am 14.12.1558 wurde hier Wolfgang Heider geboren. Von 1574 bis 1597 war er an der Universität Jena tätig, davon die letzten 10 Jahre als Professor und Rektor.

Viele kennen das Volkslied „Am Holderstrauch", doch nur wenige wissen, dass es der Wölfiser Komponist Hermann Kirchner komponiert hat. Geboren am 23.1.1861 wurde er schon frühzeitig durch die damals „weit und breit auf dem Thüringer Wald bekannten Wölfiser Musikanten" inspiriert. Später studierte er an der Berliner Akademie für Musik. Konzertreisen führten ihn quer durch Europa. H. Kirchner war Musikdirektor in Ungarn, Professor für Komposition und Orchesterleitung in Rumänien und zuletzt königlich-preußischer Musikdirektor in Ratibor, Oberschlesien. Er starb am 29.12.1928 in Breslau. Von seinem umfangreichen Schaffen ist wohl nur der „Holderstrauch" geblieben.

Bemerkenswert ist, dass Wölfis bereits 1838, also zwei Jahre früher als Friedrich Fröbel (1840) den Kindergarten erfand, eine Kleinkinder-Bewahranstalt hatte.

Mit dem Bau der Wasserleitung von Luisenthal nach Wölfis erhielt der Ort bereits 1896 eine zentrale Wasserversorgung.

Die Gründung des Wölfiser Musikvereins im Jahre 1878 war ein erster Meilenstein auf dem Weg, der bis in die Gegenwart traditionellen und erfolgreichen Musikgeschichte.

Auch Wohltäter trugen zur Entwicklung der Gemeinde vor allem im schulischen und sozialen Bereich bei. Pfarrer Keil erwähnt in seiner Chronik ein Fräulein Henriette von Zeschlin als Wohltäterin. Sie wurde nach ihren Tod 1753 in der Kirche vor dem Altar beigesetzt. Sonderbarer Weise hat man ihre Güte später vergessen und bringt ihren Namen mit nächtlichem Spuk in Verbindung.

Zur Gemeinde Wölfis zählten über Jahrhunderte auch die Güter Heerda und Tambuchshof, auch wenn sie bei Volkszählungen getrennt ausgewiesen wurden, wie z.B. 1860: Wölfis 1546 Seelen, davon in Heerda 64 und Tambuchshof 41.

Besonders enge Beziehungen gab es dabei zu Gut Heerda, als es in den Besitz der Familie Trützschler kam. Sie waren die letzten Besitzer des Gutes und wollten dieses idyllische Fleckchen Erde, das bereits 1143 in einer Stiftungsurkunde des Klosters Georgenthal genannt wurde, also eine jahrhunderte alte Tradition hatte, nicht aufgeben. Der Sohn des vorletzten Besitzers, Adolf von Trützschler, der als Freiheitskämpfer 1849 in Mannheim erschossen wurde, gab der Wölfiser Schule 1961 seinen Namen, den sie bis heute trägt.

Als Wölfis 1979 seine 1200jährige, nachweisbare Existenz feiern konnte, lagen schwere Zeiten hinter der Gemeinde. Allein in den letzten 100 Jahren waren drei Kriege zu überstehen. War der erste 1870/71 noch „siegreich" und ohne Verluste überstanden, gab es beim nächsten, 1914/18 neben Not und Elend in der Heimat auch 78 Gefallene. Die nachfolgende Inflation vernichtete den gerade erst durch den Landverkauf an den Truppenübungsplatz erworbenen kleinen Wohlstand. Eine hohe Arbeitslosigkeit trug mit dazu bei, dass die vormals stark links orientierte Bevölkerung sehr schnell zu Hitler fand. Anfängliche Besserungen schienen die Erwartungen zu bestätigen. Arbeitsplätze wurden auch mit dem Bau der Muna ab 1934 geschaffen. Eine Entwicklung in Richtung Krieg wollte man nicht sehen. Doch er kam, furchtbarer als alles Vorherige. 176 Gefallene sind trauriges Zeugnis dieser Entwicklung. Auch mit dem Kriegsende 1945 nahmen Not und Elend kein Ende. Besonders waren die Heimatvertriebenen betroffen, die auch in Wölfis versuchten, zunächst einmal das Überleben zu sichern. Die Einwohnerzahl wuchs 1946 auf über 3000. Hunger und Not hielten noch Jahre an.

Die Umgestaltung der Landwirtschaft, beginnend mit der Bodenreform 1946, weitergehend mit der Gründung von Landwirtschaftlichen Produktionsgesellschaften1957 und 1959, anfänglich gegen erheblichen Widerstand der Bauern, zeigte sich dann doch als förderliche Maßnahme für die Einwohner.

Auch die kulturelle Entwicklung nahm mit der Gründung des Dorfclubs in Wölfis neuen Schwung und verdiente sich zu Recht den Titel „Singendes, klingendes Dorf". Walter Elberskirch hat sich dabei als Organisator verdient gemacht.

Die Wiedervereinigung Deutschlands, selbstverständlich auch in Wölfis mit großer Freude begrüßt, hatte nicht nur positive, sondern auch negative Auswirkungen. Viele Kleinbetriebe versuchten einen Anfang. Für einen der größten Arbeitgeber, die „Glüso", kam stufenweise das Aus, genau wie für einige Kleinbetriebe aus Handel, Handwerk und Gewerbe. Gut entwickelte sich der Lebensmittelmarkt Raimund Löhr.

Groß eingestiegen und kläglich zurück gezogen haben sich die Kreissparkasse und die Post. Keinen kümmert, wie insbesondere ältere Leute ihre Post und Bankgeschäfte erledigen sollen. Besonders die Post, einst Glanzpunkt deutscher Geschichte, sollte sich für so eine Entwicklung schämen!

Doch kommen wir abschließend wieder zum Positiven.

Im Jahre 2004 konnten wir 1225 Jahre Wölfis und 2008 130 Jahre Wölfiser Blasmusik unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feiern. Eine vorbildliche Kindertagesstätte, eine gute Schule und bessere Straßen zeigen: So schlecht geht es uns nicht!

 

1910 Herzogin Viktoria zu Besuch in Wölfis

1910 Herzogin Viktoria zu Besuch in Wölfis

Hermann Kirchner um 1929

Hermann Kirchner um 1929

Karolinenstift Wölfis

Karolinenstift Wölfis

Der Kindergarten im Karolinenstift

Der Kindergarten im Karolinenstift

Wölfis ein sportbegeisterter Ort

Wölfis ein sportbegeisterter Ort

1923 Schuldirektor Hempel mit seinen Schülern

1923 Schuldirektor Hempel mit seinen Schülern

Blick in einen Klassenraum der Stirnschule

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Hochwasser 1955

Hochwasser 1955

Hochwasser 1962

Hochwasser 1962