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Chronik der Gemeinde Luisenthal

Schwarzwald  - Stutzhaus mit Luisenthal seit 1952 Luisenthal

Kurzgefasste Geschichte

 

8. Jahrhundert

- 724, Bonifatius, der Apostel der Deutschen, betreibt die Christianisierung in den Gothaer Landen. An der Ohra wird ein Kloster errichtet und in seinem Umfeld bildet sich Schritt für Schritt die Stadt Ohrdruf.

- vermutlich hatte die Käfernburg auf dem Turmberg, im oberen Ohragrund, im 8.Jahrhundert ihre Anfänge.

 

10. Jahrhundert

Besiedlung des oberen Ohragrundes um die Käfernburg. - 919, 936 - Erwähnung als „Walzahi" später „Walsazi" (Waldsassen, Waldsitz).

 

1259, der Kienberg und die Aue werden von den Kevernburgern an Georgenthal verkauft.

 

1290, Graf Günter setzt sein Schloss Schwarzwald gegen künftige Schäden.

Der Abt von Hersfeld hatte Beschwerde über die Beeinträchtigung seiner Rechte, Güter und Zinsen in Arnstadt auf dem Reichstag in Erfurt geführt.

 

1305, Burg Schwarzwald wird von Graf Günter an das Kloster Hersfeld verpfändet.

 

1366, Erfurt bemüht sich vergeblich die Burg Schwarzwald zum Schutz ihres Handels zu erwerben. Landgraf Friedrich der Strenge verhindert diesen Kauf.

 

1378, Erwähnung der Burg im Einkommensregister als „Swarzwalde castrum".

Die Markgrafen von Meißen, damals auch Landgrafen von Thüringen, erhalten als Zins:

Bretter, Pech, Haselhühner, Fische, Eichhörnchen und Sperber.

 

1440, Gräfenroda, Gossel und Frankenhain zahlen Waldmiete an Schwarzwald.

 

1440 - 1535, Schloss Schwarzwald im Besitz der Grafen von Gleichen.

 

1498, die Wölfiser verlegen ihre Getreidemühle vom Hopbach in Wölfis nach Luisenthal an die Ohra. Die „Waldmühle" hat noch heute dort ihren Standort. Sie war bis 1982 als Getreidemühle in Betrieb.

 

1534, Kupferschieferbergbau am Kienberg und am Steinigen Berg. 1543 wird Johann Heinrich Wolf aus Ohrdruf als Bergmeister eingesetzt.

 

1540, Hans Parth ist Forstknecht auf den Schwarzwäldischen Stutzhaus

 

1545, in der Nähe des heutigen Standortes des Hotel „Luisenthal" wird eine Hütte errichtet, die Kupferschieferherz zu Garkupfer verarbeitet wovon der nahe liegende Kupferhammer Gebrauchsgegenstände herstellt

 

1545 - 1642, Amt Schwarzwald verwaltet ein Gebiet mit 8 Walddörfern und Forstsiedlungen. Amts- und Wohnsitz der Amtsvögte ist die Burg Schwarzwald (Käfernburg) in Schwarzwald.

Nach 1642 wird der Amtssitz nach Zella verlegt. Im 17. Jahrhundert verfällt die Burg vollständig. Lediglich der im 12. Jahrhundert angebaute Turm überdauert die Jahrhunderte.

 

1569, auf dem Pfarrhög ist der Beginn der Ortswerdung von Stutzhaus zu finden (erste Häuser). Erstes nutzbares Acker- und Weideland schaffen die Holzknechte Christoph Grauemann und Jürgen Eckolds auf der „Heide".

 

1579, In der Gegend der heutigen Gaststätte „Wegscheide" entsteht ein Hof für den Ausspann bei der Überquerung des Thüringer Waldes. Die Strecke der heutigen L3247/B247 war vermutlich schon immer ein bedeutender  Verkehrs - und Handelsweg. In Schwarzwald trennte sich die alte Handelsstraße und verlief als „Schwarzwälder Steigh" zur Wegscheide, wo sie auf die Haupthandelsstraße, von Erfurt, Arnstadt und Crawinkel nach Oberhof, stieß.

 

1589, Kirche und Schule. Die Gemeinde Schwarzwald ist nach Wölfis und die Gemeinde Stutzhaus nach Gräfenhain eingepfarrt. Die Kinder aus den Gemeinden gehen auch dort zur Schule.

 

1618 - 1648, 30jähriger Krieg, Sperrung der Pässe über den Thüringer Wald. Durch Pest und Kriegseinwirkungen verlieren fast alle Orte unserer Region mehr als die Hälfte ihrer Einwohner. 4 Orte in unserer näheren Umgebung verschwinden für immer von der Landkarte.

 

1659, das Aufbewahrungshaus für das amtliche Maßgefäß „Stutz" wird gebaut. Der Ort Stutzhaus verdankt seinen Namen diesem Stutzenhaus. 

 

1662, Förster Großgebauer schießt einen Bären. Der Abschussort erhält den Namen Bärenstein (Münzeberg).

 

1664, erste gemeinsame Schule für Stutzhaus und Schwarzwald im Pfarrhaus auf dem Pfarrhög. Der erste Lehrer ist Georg Volkmar. Der obere Saal im Gebäude ist der Kirchsaal. Hier halten die Pfarrer aus Wölfis und Gräfenhain abwechselnd Gottesdienst.

 

1691 - 1701, Bau des Flößgrabens von Oberhof, an Gehlberg vorbei, durch den „Ausgebrannten Stein" am Tragberg, um den Kienberg herum nach Luisenthal wo er dann in die Ohra einmündet. Gesamtlänge 23 km. Der Flößgraben ist von 1701 bis 1709 in Betrieb.

 

1717, Christoph Hähner ist der erste eigene Pfarrer der Kirchgemeinde Stutzhaus / Schwarzwald.

 

1719. Der Bau der Holzkirche wird vollendet. Sie dient der Kirchgemeinde bis 1900 als Gotteshaus.

 

1749 - 1750, - Ein neues Schulhaus entsteht in der Nähe der Kirche („alte Schule")

 

1753, die fürstliche Kammer kauft das Hüttenwerk am Fuß des Kienbergs (Schwarzwälder Hammer). Das Werk erhält 2 Hochöfen und es wird auf Eisenerzverarbeitung umgestellt.

- Herzog Friedrich III benennt das Werk nach den Namen seiner Gattin, Herzogin Louise Dorothea, -  „Luisenthal" - 

- Zu den Nachbargemeinden Stutzhaus und Schwarzwald kommt Luisenthal als selbständige Gemeinde, mit eigenem Schulzen, hinzu.

- Das Schmelzwerk in Luisenthal ist noch bis zu seiner vollständigen Einstellung im Jahr 1877 in Betrieb.

1756, die Eisen- und Stahlwaren aus Luisenthal werden durch herzogliches Patent geschützt.

 

1800, 2. Februar, der verdiente Forstmann, Landjägermeister v. Hahn, stirbt. Seinem Wunsch entsprechend wird er in einer Waldparzelle in der Aue beigesetzt (Hahnsgrab).

 

1819, 14. März, im Stutzhäuser Forst wird ein Luchs erlegt, vermutlich der damals Letzte in der gesamten Region. Das Gasthaus „Zum Ross" in Schwarzwald wird nach diesem Ereignis zum Gasthaus „Luchs".

 

1846, die Gemeinde Luisenthal gibt ihre Selbstständigkeit auf und schließt sich der älteren Gemeinde Stutzhaus an.

 

1848, die Gemeinden Stutzhaus und Schwarzwald erhalten die Aue zur Rodung um landwirtschaftliche Nutzfläche zu gewinnen. Die Waldparzelle beim Hahnsgrab bleibt von der Rodung verschont.

 

1856, der Schulverband Stutzhaus / Schwarzwald wird aufgelöst. Schwarzwald erhält sein erstes eigenes Schulhaus

 

1859, Einweihung des neuen Friedhofes am Streitberg

 

1862, Pfarrer Friedrich Berlet (1852 bis 1883, Pfarrer in der Gemeinde) gründet mit 334 Mitgliedern einen Sterbekassenverein. Der Sterbekassenverein hat über 100 Jahre Bestand.

 

1863, die Porzellanfabrik Stutzhaus wird gegründet.

 

1870 - 1871, Deutsch - Französischer Krieg. Am Feldzug nehmen 29 Burschen aus unseren Gemeinden am Feldzug teil. Rückkehr der Kriegsteilnehmer am 29. Sept. 1871.

 

1875 - 1876, Bau einer neuen Schule in Schwarzwald (Gebäude mit der Turmuhr). Das Gebäude dient bis 1900 als Schulhaus, später: Gemeindeamt, dann Kindergarten, Wohngebäude.

 

1876 - 1877, Bau einer neuen Schule in Stutzhaus dicht an der Grenze zum damaligen Ohrdrufer Gebiet. In den 1970er Jahren erfolgen An- und Ausbaumaßnahmen zur Modernisierung und Kapazitätserweiterung. Die Gebäude sind bis 1990 Teile der Polytechnischen Oberschule Luisenthal.

 

1880, Luftkurort Luisenthal - Erste Gäste aus Übersee im Gasthaus „Luisenthal"

 

1892, die Eisenbahnlinie Ohrdruf - Gräfenroda über Luisenthal, mit Bahnhof Luisenthal, geht in Betrieb.

 

1896, die Wasserleitung für Schwarzwald, Stutzhaus, Luisenthal und Wölfis wird gebaut. Das Wasser kommt von der Klotzequelle und zum Teil von der Quelle im Siegelgrund.

 

1898, Gasthaus Luisenthal - Fritz Lotter - beginnt mit Badekuren. Von 1910 - 1914 gilt für Luisenthal die Bezeichnung „ Bad Luisenthal".

 

1900, 17. April, in der alten Holzkirche (erbaut 1719) wird der letzte Gottesdienst gehalten. Wegen absoluter Baufälligkeit muss sie abgerissen werden.

1900, Einweihung der neu erbauten Schule in Schwarzwald in der Nähe zur Hammerbrücke.

Vorübergehend war der Betsaal der Kirchgemeinde im Schulgebäude untergebracht.1928 wird im Schulgebäude das Wannenbad der Gemeinde Schwarzwald eingeweiht und die Klassenräume erhalten eine moderne Warmwasserheizung. In den 1970er Jahren erfolgt der An- und Ausbau der Schule (Schulküche, Turnhalle). Bis 1990 ist dieser Schulkomplex der Hauptteil der Polytechnischen Oberschule Luisenthal. Heute Wohnkomplex und Mehrzweckgebäude  

 

1902 - 1903. Anfang Mai Beginn des Baues einer neuen Kirche. Am 1. November 1903 wird die neue Kirche eingeweiht und erhält den Namen „Herzog Alfred Gedächtniskirche"

 

1914 - 1918, Erster Weltkrieg. Am Kriegsende und dem Niedergang des Deutschen Kaiserreiches werden als unmittelbare Kriegsopfer in Schwarzwald 35 junge Männer als gefallen und 5 als vermisst gezählt. In Stutzhaus sind 27 junge Männer als gefallen und 2 als vermisst zu beklagen.

 

1920, Kapp- Putsch, bewaffnete Arbeiterformationen aus Suhl und Zella Mehlis durchziehen auf den Hin- und Rückmarsch den Ohragrund. Kampfhandlungen am Truppenübungsplatz Ohrdruf und in Gotha. Schwarzwälder Arbeiter unterstützen die Arbeiterformationen

 

1921, Vogt- Werke Luisenthal. Umsiedlung der Vogt- Werke von Seligenthal nach Luisenthal auf das Gelände wo einst der Stahlhammer Stutzhaus seinen Standort hatte. Zum Zeitpunkt des Kaufes des Geländes durch die Vogt- Werke befinden sich dort ein Sägewerk und eine Spielwarenfabrik. Ernst Vogt, Geschäftsführer und Inhaber, nimmt in Luisenthal die Produktion von vorwiegend in eigener Firma entwickelten neuen, modernen Fleischereimaschinen und anderer Artikel für das Fleischerhandwerk auf. Später wird das Produktionsprogramm mit Hebemaschinen (Brückenkrane und Winden) erheblich erweitert. Es entsteht in Luisenthal ein moderner leistungsfähiger Betrieb, der vielen qualifizierten Arbeitskräften des Ortes und aus der Umgebung Arbeitsplätze gibt. Nach den 2.Weltkrieg werden die Vogt- Werke von der sowjetischen Besatzungsmacht total demontiert. Im Jahr 1946 entsteht, in den zunächst völlig leeren Hallen der ehemaligen Vogt- Werke, der

VEB Hema Werk, der sich im Laufe der Jahre zu einen beachtlichen Hebezeughersteller entwickelt (zuletzt über 300 Beschäftigte). Seit 1990 DEMAG Kranbaubetrieb.

 

1921, die Firma August Blödner, Gotha, eröffnet in Luisenthal den Zweigbetrieb „Sägewerk August Blödner Luisenthal".

 

1922, Inflation in Deutschland.

In Schwarzwald erhält die KPD im Gemeinderat die Mehrheit und stellt damit den Bürgermeister, der bis 1930 im Amt bleibt.

 

1923, Stutzhaus wird zu Schwarzwald eingemeindet. Gemeinderat: 5 Sitze KPD, 2 Sitze SPD, 2 Sitze Bürgerblock.

 

1924, Ausgemeindung von Stutzhaus aus Schwarzwald. Sozialdemokraten und Bürgerblock hatten die Ausgemeindung betrieben und durchgesetzt.

 

1929, Weltwirtschaftskrise, Massenentlassungen, Anwachsen von Armut und Mittellosigkeit,

leere Gemeindekassen.

- Im September brennt das Sägewerk Ortlepp & Söhne.

 

1932, Einweihung des von der Firma August Blödner, Gotha, neu errichteten Schwimmbades Luisenthal. Der Sportplatz, neben dem Schwimmbad, ebenfalls von der Fa. Blödner errichtet, entsteht 1934.

 

1934, auf dem Terrain der Fa. August Blödner, damals Luisenthalerstr. 32, wird das Reichsarbeitsdienstlager (Kaserne) 8/234 „Günter von der Käfernburg", im Gelände und in den Gebäuden des Terrains, eingerichtet.

Das Arbeitsdienstlager besteht bis 1940. Danach werden hier Wohnungen für Umsiedler aus  Rumänien und den baltischen Ländern eingerichtet. Ein Teil der Wohnungen besteht bis in die 1980er Jahre. Im Untergeschoss des Hauptgebäudes befinden sich Produktionsräume des Sägewerks August Blödner Luisenthal und später noch Produktionsräume aus den Gothaer Betrieb des Blödnerschen Unternehmens (ab 1944 bis 1945 Kriegs- u. Rüstungsproduktion). Danach Nutzung von Gebäudeteilen durch verschiedene Firmen. Ab den 1960er Jahren PGH Polstermöbel. Ab 1972 bis 1992 VEB Polstermöbel Luisenthal.

 

1939, mit dem deutschen Überfall auf Polen nimmt, am 1.September, der 2.Weltkrieg seinem Anfang. Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, im Januar 1933, führt der unheilvolle Weg unweigerlich zum Krieg.. Jugenderziehung (Hitlerjugend und Schule), die NSDAP und ihre militärischen- und paramilitärischen Organisationen richten alles auf die Vorbereitung und für eine hohe Opferbereitschaft in den kommenden Krieg aus. Lebensmittel, Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfes, so weit überhaupt noch Waren 1939 und in den Folgejahren vorhanden sind, werden für die Bevölkerung streng rationalisiert und sind nur auf Lebensmittelkarten und auf Bezugsscheinen erhältlich. Bis hin zum Kriegsende werden Not und Hunger in der Bevölkerung immer größer. Sie erreichen ihren Höhepunkt in den Nachkriegsjahren 1947/ 48. Letzte Lebensmittelkartenrationalisierungen fallen in der DDR erst Anfang der 1960er Jahre weg. Bereits vor dem Krieg und dann laufend während des Krieges werden fast alle Wehrfähigen zum Kriegsdienst eingezogen. Der Arbeitskräftemangel, in den inzwischen auf Rüstung und Kriegsgüterproduktion umgestellten Betrieben, soll durch Zwangsverschleppte aus besetzten Gebieten, durch Kriegsgefangene, durch Sklavenarbeit von KZ-Häftlingen und durch Frauenarbeit ausgeglichen werden. In unseren Gemeinden werden die  so genannten Fremdarbeiter in den Vogtwerken, den Sägewerken des Ortes und einige in landwirtschaftlichen Kleinbetrieben eingesetzt. Im Ort werden die vorhandenen Felsenkeller (ehemals Eiskeller der Brauereien) und Bergstollen als Luftschutzkeller ausgebaut.

 

1942, das Sägewerk Krumbholz in Schwarzwald brennt ab. Es wird nicht wieder aufgebaut.

 

1941 / 45, Kriegsverlauf. Zunächst verzeichnen die deutschen Streitkräfte beachtliche Erfolge. Nach den Überfall auf die Sowjetunion, 1941. muss die deutsche Wehrmacht, nach einem scheinbar ungebremsten Vormarsch, empfindliche Rückschläge und Niederlagen einstecken. (Niederlage in Stalingrad 1943). Mit dem  Kriegseintritt der USA an der Seite der Alliierteen und der Landung der alliierten Streitkräfte in der Normandie ist die bevorstehende Niederlage Deutschlands besiegelt.

In den Anfangsjahren des Krieges war unsere Region von den Folgen des Luftkrieges, der auf alliierter Seite immer mehr Überlegenheit fand, weit gehend verschont, sodass, vorwiegend Frauen und Kinder, aus den westdeutschen bombardierten Städten in unsere Region evakuiert wurden.

Im Frühjahr 1944 wird am helllichten Tag die Waggonfabrik in Gotha von einem amerikanischen Bomberverband angegriffen und fast völlig zerstört. Zur Fortführung der kriegswichtigen Produktion des Betriebes werden nunmehr, dezentralisiert, in der Umgebung Gothas neue Produktionsstätten errichtet. In Luisenthal entsteht dazu ein Hallenkomplex am Bahnhof mit Gleisanschluss, ausgerüstet mit modernen Maschinen und Anlagen, der nach kurzer Zeit, in der 3-Schichtarbeit wieder Teile herstellt. Zum Kriegsende und Beendigung der Produktion erfolgen Plünderungen im Hallenkomplex und später vollständige Demontage sowie Abtransport der Maschinen und Anlagen. In den ersten Nachkriegsjahren wurden die Hallen von verschiedenen Firmen für Lagerzwecke genutzt. Der Handwerksbetrieb, Maschinenbau Heinz Görlach, hatte seinen Anfang in einem Teilkomplex der Hallen. Mit dem Baubeginn an der Ohratalsperre erfolgte die Nutzung der Hallen als Fahrzeugreparaturwerkstatt sowie als Baustoff- und Materiallager. Danach, streng bewachtes Gebäude (Lagergebäude) der Staatssicherheit. Nach dem Zusammenbruch der DDR gab es noch verschiedene Versuche einer Nutzung. Ein Brand machte den Hallenkomplex zur Ruine. Es erfolgte danach der totale Abriss der Hallen.

 

1945, März April, im Raum Luisenthal befinden sich Restverbände von Wehrmacht und SS auf dem Rückzug. Im Brauereigasthof hat der „Großdeutsche Rundfunk"(in der Nähe der damals so genannten „Kühnsbrücke") seine letzte Bleibe. In den Felsenkellern findet die Bevölkerung Schutz vor den dauernden amerikanischen Tieffliegerangriffen und dem Artilleriebeschuss. Die Fliegerangriffe und der Artilleriebeschuss richten im Ort beträchtlichen Sachschaden an (Zerstörungen und Beschädigungen vieler Häuser des Ortes, der  Gaststätte „Käfernburg" und der Herzog Alfred Gedächtniskirche). Eine Fliegerbombe gerät als Blindgänger in die Ohra neben der „Kühnsbrücke" und liegt dort bis 1946. Das Hochwasser 1946 spült den Blindgänger ca. 100m weiter und überdeckt ihn mit Geröll und Sand. Er wurde dort erst Anfang 1960, beim Bau der Wasserleitung der Ohratalsperre, gefunden und entschärft. Beim Rückzug der deutschen Truppenverbände werden im Raum Luisenthal alle Brücken, ohne Rücksicht auf umliegende Gebäude, gesprengt (insgesamt 5 Brücken, Beschädigung am Hotel „Luisenthal" - Neuanbau am Hotel 1947 in der Fachwerkausführung durch Fa. Ortlepp & Söhne). Rückzugsgefechte am Kienberg, auf den Weg nach Crawinkel mit Gefallenen auf beiden Seiten, zerstörter amerikanischer Panzer am Kienberg - Gabelloch. Im April 1945 besetzen amerikanische Truppen den Luisenthaler Raum. Am 8.Mai findet der 2.Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands sein Ende..

 Im Juni 1945, Abzug der amerikanischen Streitkräfte. Thüringen wird Teil der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands. Lt. Weisung der sowjetischen Militäradministration (SMAD) werden Länderregierungen gebildet und es erfolgt die Zulassung politischer Parteien in der sowjetisch besetzten Zone. In Stutzhaus und Schwarzwald bilden sich Ortsgruppen der KPD, Ortsvereine der SPD und Ortsgruppen der CDU. Aus Vertretern der Parteien werden Antifa- Ausschüsse gebildet, die Leben und Geschick in den Gemeinden, entsprechend den Reglungen und Weisungen der SMAD, lenken sollen. Im Oktober 1945 wird der Schulbetrieb wieder aufgenommen, die vorher tätigen und NS belasteten Lehrkräfte werden aus den Schuldienst entlassen und durch kurzfristig ausgebildete Neulehrer ersetzt.

 

1945 - 1947,

- Die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Vertriebenen müssen in dem zerstörten und

   vom Elend und Hunger geplagten Restdeutschland aufgenommen werden. Der Zuwachs an

   diesen Neubürgern in unseren Gemeinden ist beträchtlich, was für die Folgejahre eine  

   Hauptursache ist, dass die Klassenräume der Schulgebäude mit mehr als voll belegt sind.

   Die Neubürger bringen sich mehr und mehr in das Gemeindeleben ein. Ihre Kenntnisse und

   ihr Wissen sind eine Bereicherung in der gesellschaftlichen Entwicklung und des

   Wirtschaftslebens der Gemeinden.

- 1946, Vollständige Demontage der Vogt- Werke Luisenthal durch die sowjetische

   Besatzungsmacht und Abtransport aller Maschinen und Anlagen. Danach Bildung des

   VEB HEMA Werkes in den verbliebenen vollständig leeren Hallen der einstigen Vogtwerke

   Heute DEMAG Krantechnik Luisenthal

 

1952, Bau des FDGB Heimes am Streitberg, auf der Heide. Zunächst erfolgt die Nutzung als Unterkunft für die Bauarbeiter des Straßenbaues und des Talsperrenbaues. Gaststätte und Küche des Heimes sind öffentlich.

Am 12.6.1970 erfolgt die Einweihung und die Namensgebung als FDGB Erholungsheim

„Adolf Deter".

Ab 1990 „Berghotel" Luisenthal.

 

1951 - 1953

- 1952, Die Gemeinden Schwarzwald und Stutzhaus mit Luisenthal sind zur Gesamtgemeinde

   Luisenthal, mit nunmehr nur noch einem Bürgermeister und nur noch einem Gemeinderat,

   geworden.

- Beginn der Arbeiten zur Verlegung der Straße nach Oberhof.

  Die neue Straßenführung erfordert im Ortsteil Schwarzwald - Schleifreis, den Abriss von

  Wohnhäusern und Stallungen. Ersatzwohnungen entstehen in der Lindenallee.

- Nach Beseitigung der Kriegsschäden an der Kirche und zur 50Jahrfeier der Herzog Alfred

   Gedächtniskirche wird am 1.11.1953 vom Landesbischof Moritz Mitzenheim die Kirche

   wieder eingeweiht.

 

1954, die Straßenführung der neuen Straße (F247/B247) erfolgt im Ortsteil Schwarzwald durch das Siegelbachtal zur „Wegscheide" nach Oberhof. Die alte Straße führte in das Staugebiet der künftigen Ohratalsperre. Wald- und Forstwege im Gebiet der Ohratalsperre müssen verlegt und umgestaltet werden, so dass sich gegenüber der bisherigen Darstellung der Landkarte in diesem Raum, ein völlig anders und neues Bild ergibt.

 

1960 - 1966, Bau der Ohratalsperre. Schüttdammhöhe. 56m, Sohlenbreite: 250m, verjüngt nach oben auf 6m. Dammlänge: 230m. Speichervolumen: 17,5 Mio. m³ Wasser.

 

1963, Im Talsperrenraum müssen 20 Wohnhäuser, ein Sägewerk und die ehemalige Kesselschmiede abgerissen werden. Ersatz, durch Neubau in der Lindenallee und in anderen Ortsteilen.  

- Bau der Schulküche und der Turnhalle am Schulgebäude im Ortsteil Schwarzwald.

 

1964, Bau des Wohnblockes auf dem Grund des ehemaligen Sägewerkes Krumbholz

 

1969, Abriss der Gaststätte „Untere Schweizerhütte" wegen der Lage im Wassereinzugsgebiet der Ohratalsperre

 

1972, 1. Mai, das Parteierholungsheim (ehemals Genesungsheim) brennt. Der Brand hinterlässt beträchtlichen Schaden. Beim Wiederaufbau wird der für das Aussehen des Heimes typische Turmaufsatz, nicht wieder aufgebaut.

 

 1973 - 1976,

- 1973, Modernisierungen und Anbauten am Stutzhäuser Schulgebäude um den Schülern der

   9. und 10. Klassen den Weg zur Ohrdrufer Schule zu ersparen.

- 1974, Bau des Parkplatzes an der Ohratalsperre und der Gaststätte „Parkkaffee", die von

   Familie Reinhardt bewirtschaftet wird. 1998 wird das Parkkaffee abgerissen. Am

   inzwischen neu gestalteten Parkplatz hat sich nunmehr das „Raststübchen" als

   gastronomische Einrichtung etabliert.

- 1976, alle Wege und Straßen des Ortes, einschließlich des Weges zum Bahnhof und der

    Wölfiser- Straße, Ortsausgangsstraße zur B88, werden erneuert und mit einer

    Schwarzdecke versehen

 

1986 / 1987, 26.3. Grundsteinlegung für die Kindertagesstätteneinrichtung auf der Oberförsterswiese (Siedlung). Am 19.3 1987 erfolgt die feierliche Schlüsselübergabe für das Gebäude.

1987 erfolgt die Generalinstandsetzung des Luisenthaler Sportplatzes.

 

1989 /1990,

1989, Bau eines neuen modernen Schulgebäudes (Standort: Hauptstr. / E. Thälmannstr.)

1989, Oktober, Rücktritt E. Honeckers als Staatsratsvorsitzender der DDR, November: Mauerfall und Grenzöffnung. Tag und Nacht bewegen sich die Autokolonnen durch den Ohragrund auf ihrer Fahrt zu den bayrisch- thüringischen Grenzübergängen (Begrüßungsgeld) am 18.03. finden die ersten freien Wahlen in der DDR statt. In Luisenthal stellt die CDU den Bürgermeister. Am 03. 10. 1990 Wiederherstellung der Deutschen Einheit.

 

1991 / 1996

- 1991, der Luisenthaler Spielmannszug wird 100 Jahre alt, wegen inzwischen eingetretenem

   Nachwuchsmangel wird er 1994 aufgelöst.

- 1992, im Sommer findet das 20. und letzte Talsperrenfest statt.

- 1994, 330 Jahre Schule und Kirche in Luisenthal. 275 Jahre besteht die Luisenthaler Kirche.

   (1719, erste Kirche, seit 1903, Herzog Alfred Gedächtniskirche)

- 1995, 5. Kreissängerfest im und auf dem Gelände Hotel „Luisenthal". Es ist praktisch die

   Abschiedsveranstaltung für das Hotel. Danach erfolgt keine Bewirtschaftung mehr und das

   Hotel verfällt.

- 1996, das 1932 erbaute Schwimmbad Luisenthal muss den Betrieb einstellen und wartet seit

   dem auf einen Neuanfang auf den Ruinen.

 

2003, 100Jahrfeier der Herzog Alfred Gedächtniskirche Luisenthal

 

2007, die Luisenthaler Schulen werden schon seit 1996 und den Folgejahren wegen viel zu geringer Schüleranzahlen Schritt für Schritt aufgelöst. Luisenthaler Kinder gehen nach Wölfis (Grundschulklassen), nach Crawinkel (Regelschulklassen) und nach Ohrdruf (Gymnasium) zur Schule. Die leer stehenden Schulgebäude werden anderen Verwendungszwecken zugeführt. Das neue Schulgebäude wird noch vom Gymnasium Gleichense Ohrdruf für Unterrichtszwecke bis 2007 genutzt. Seit dem steht das Gebäude leer.

 

Geschichts- und Heimatliteratur.

Heimatverein Luisenthal e.V.

„ Luisenthal - Geschichte und Geschichten", Dr. Ernst Eberhardt, „Die Waldmühle", „Luisenthaler Wegweiser", Dr. Schneider, Erstauflage 1900, Ergänzung mit historischen Bildmaterial und Neuauflage 2006, Heimatverein Luisenthal e.V., „Schul- Geschichte und Geschichten"  

 

 

 

 

Zeichnung der Burg von Erich Löw. Dieser unternahm umfangreiche Forschungen zu der Anlage.

Zeichnung der Burg von Erich Löw. Dieser unternahm umfangreiche Forschungen zu der Anlage.

Phantasiegemälde des Schwarzwälder Heimatmalers Karl Triebel aus dem Jahr 1947.

Phantasiegemälde des Schwarzwälder Heimatmalers Karl Triebel aus dem Jahr 1947.

Restaurierung des Turmstumpfes im Jahr 1907.

Restaurierung des Turmstumpfes im Jahr 1907.

Blick vom Kienberg zum Turmberg. Hier eine Aufnahme von 1956.

Blick vom Kienberg zum Turmberg. Hier eine Aufnahme von 1956.

Die Untere Schweizerhütte zwischen Schwarzwald und Oberhof.

Die Untere Schweizerhütte zwischen Schwarzwald und Oberhof.

Das Ehepaar Holland aus Luisenthal bewirtschaftete die "Untere Schweizerhütte um 1900.

Das Ehepaar Holland aus Luisenthal bewirtschaftete die "Untere Schweizerhütte um 1900.

Am 14. März 1819 wurde im Stutzhäuser Forst der letzte Luchs in unserer Region erlegt.

Am 14. März 1819 wurde im Stutzhäuser Forst der letzte Luchs in unserer Region erlegt.

An der "Wegscheide". Hier eine Postkarte aus der Zeit um 1900.

An der "Wegscheide". Hier eine Postkarte aus der Zeit um 1900.

Der Spielmannszug von Luisenthal. Gegründet 1891 wurde der Verein nach über 100 Jahren 1994 aufgelöst.

Der Spielmannszug von Luisenthal. Gegründet 1891 wurde der Verein nach über 100 Jahren 1994 aufgelöst.

Das Haus auf dem Pfarrhög beherbergte ab 1664 den ersten Schulsaal für die Kinder aus Stutzhaus und Schwarzwald.

Das Haus auf dem Pfarrhög beherbergte ab 1664 den ersten Schulsaal für die Kinder aus Stutzhaus und Schwarzwald.

Im Bild links das alte Schulgebäude von 1750. Recht die Herzog-Alfred-Gedächtniskirche.

Im Bild links das alte Schulgebäude von 1750. Recht die Herzog-Alfred-Gedächtniskirche.

Das Gasthaus "Ohratal" in den 60-er Jahren. Herr Wagner der Wirt war weit und breit unter dem Namen "Sülzenmax" bekannt.

Das Gasthaus "Ohratal" in den 60-er Jahren. Herr Wagner der Wirt war weit und breit unter dem Namen "Sülzenmax" bekannt.

Die Waldmühle Luisenthal wurde vor über 500 Jahren wegen Wassermangels von Wölfis nach Luisenthal verlegt. Sie war bis Mitte der 80-er Jahre in Betrieb.

Die Waldmühle Luisenthal wurde vor über 500 Jahren wegen Wassermangels von Wölfis nach Luisenthal verlegt. Sie war bis Mitte der 80-er Jahre in Betrieb.

Ansicht von Bad Luisenthal um 1900.

Ansicht von Bad Luisenthal um 1900.

Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg (1710-1767). Der ehemalige Schwarzwälder Hammer, im unteren Teil des Schwarzwälder Ohragrundes wurde nach der Herzogin benannt.

Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg (1710-1767). Der ehemalige Schwarzwälder Hammer, im unteren Teil des Schwarzwälder Ohragrundes wurde nach der Herzogin benannt.

Um 1900. Blick von der Hauptstraße zur Pension und Gasthaus Luisenthal.

Um 1900. Blick von der Hauptstraße zur Pension und Gasthaus Luisenthal.

Ankunft von Gästen am Hotel Luisenthal mit der Postkutsche.

Ankunft von Gästen am Hotel Luisenthal mit der Postkutsche.

Einzug der Moderne. Die ersten Kraftomnibusse bringen Gäste.

Einzug der Moderne. Die ersten Kraftomnibusse bringen Gäste.

Blick vom Arlesnest nach Stutzhaus.

Blick vom Arlesnest nach Stutzhaus.

Blick vom Turmberg nach Schwarzwald.

Blick vom Turmberg nach Schwarzwald.

Luisenthal 1928

Luisenthal 1928

Blick über die Käfernburg nach Schwarzwald.

Blick über die Käfernburg nach Schwarzwald.

Blick nach Ohrdruf

Blick nach Ohrdruf