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Chronik der Gemeinde Gräfenhain

Die Siedlung Gräfenhain, ein Waldhufendorf, entstand etwa um 1100 auf dem Zechsteingürtel, dem so genannten Hagen, am Nordrand des Thüringer Waldes. Das Gebiet, ein Bergbaugelände, der Abtei Hersfeld gehörig, nannte man auf Grund der dort tätigen sächsischen Bergleute Sachsenfeld.

Der Vogt der Abtei Hersfeld,Graf Sizzo aus dem Längwitzgau, später von Käfernburg, erhielt dieses Gebiet zu eigen, dazu das Bergrecht und den Wildbann. Er vergab an die Bergleute je eine Hufe Wald längs der nach Franken führenden Meinoldestraße, die durch Rodung ein Dorf entstehen ließen.

Graf Sizzo gründete um 1140 westlich vom Sachsenfeld das Kloster Sankt Georg für sein und seiner Familie Seelenheil und übereignete diesem Kloster die Hälfte des Sachsenfeldes und Teile des Hagens rechts und links der Apfelstädt. In einem Gerichtsstreit zwischen dem Kloster Georgenthal und der Abtei Hersfeld wegen ungerechtfertigter Aneignung von Besitz um 1209 entstand die Bezeichnung Grafen-Hagen, die inzwischen gewachsene Siedlung nannte man Grevenhagin / Gräfenhain.

Nach Sizzo's Tod erhält Graf Erwin II von Tonna-Gleichen die Vogtei über Hersfeld und später im Tausch einen Teil des Grafen-Hagen. 1226 errichten die Grafen in der Siedlung eine kleine Kirche, betreut von dem Mönch Herminius aus dem Georgenthaler Kloster. 1230 verkaufen die Grafen von Gleichen das Dorf Gräfenhain für 30 Pfund Silber und ein Pferd an das Kloster Georgenthal (Schriftliche Ersterwähnung des Dorfes). Als Dorfverwalter wird Hartmudi de Gräfenhain genannt, ein Vertreter der Familie der Herren von Döllstedt. Der Sohn des Hartmudi, Ludwig, lässt sich zum Dorfpfarrer ausbilden. Er übernimmt das Amt des Herminius in Gräfenhain und wird vom Kloster Georgenthal mit einem Hof, Acker und Wiese ausgestattet. Der Bergbau ebbt ab, Siedler verlassen das Dorf.

1292 wird Gräfenhain in die Michaelis - Diözese in Ohrdruf eingepfarrt. Das Dorf ist nun geprägt vom Ackerbau und der nach 1300 durchführenden Fernstraße Ordorpsteiger - Tambach - Frankenstieg, die Meinoldestraße wird nur noch als Gemarkungsgrenze erwähnt. Eine Schenke entsteht, verbunden mit einer Kelter, die der Weinherstellung der Georgenthaler Mönche dient.

1341 verkauft Ludwig, inzwischen als Pfarrer in Siegelbach tätig, seinen Hof zu Gräfenhain ebenfalls an das Kloster Georgenthal. mit der Bitte, die Mönche möchten den Hof in einen blühenden Garten verwandeln, wie es einstmals der Mönch Herminus getan. Die nächste Nachricht erhält man um 1353. Der Bergbau ist wieder präsent. Die Grafen von Schwarzburg lassen  in Gräfenhain einen Galgen errichten, einen Mann daran aufhängen, um neben dem als Nachfolger der Grafen von Käfernburg ererbten Anspruch auf Bergrecht und Wildbann auch den Anspruch über die Gerichtsbarkeit zu dokumentieren. Sie fordern vom Kloster Georgenthal eine Ausgleichszahlung für das nicht Gewährleisten ihrer erblichen Rechte.

1360 kommt eine Einigung zustande, schriftlich festgehalten. Dabei erwähnt man erstmalig den Nachbarort Nauendorf urkundlich.

Zwischen 1365 und 1368 wütet die Pest in Gräfenhain, die Bevölkerung wird erheblich dezimiert.

1420 stiftet der Dechant und „licentatus parorchiaslis" Nikolaus Beier zu Ohrdruf eine Taufkapelle für die  Gräfenhainer Mitnachbarn und lässt sie mit einem außerordentlich schönen Wandbild ausstatten. Das Dorf verfügt jetzt über eine ansehnliche Kirche, bleibt aber in Ohrdruf eingepfarrt. Gräfenhain zieht junge Bauern an - insbesondere nach der Auflösung der Siedlung Gehren -  die weitere Hufen roden sowie die Schenke erneuern und erweitern. Die Dorfstraße ist zweizeilig, in der Mitte fließt der „Born". Jetzt überwiegt der fränkische Anteil  der Einwohner, was sich auch in der weiteren Entwicklung zeigt.

Nach 1440 verfügt Gräfenhain über siebengroße Höfe, dazwischen entstehen kleine Hofraithen, deren Besitzer als Tagelöhner auf den Höfen arbeiten. Als freie Mitnachbarn unterliegen sie nur einer eingeschränkten Kloster - Fron, die sich auf Einsätze während der Erntezeit und der Jagd bezieht. Verwaltet wird die Siedlung von sieben Dorfältesten, die demSchultheiß des Klosters in Georgenthal unterstellt sind. Hofbesitzer aus dieser Zeit sind Hendrik Aschenbach, Dietrich Lucke, Arendt Döbel und Conrad Kohlbach.

1525 beendet die Reformation das Unterstellungsverhältnis zum Kloster. Es entsteht das weltliche Amt Georgenthal unter der Regie der Kurfürsten.

Im 1538 ist Gräfenhain ein eigenständiges bäuerliches Dorf, die Schenke ist gleichzeitig die Dorfverwaltung, das Dorfsiegel enthält entsprechend der Klosterdorf - Vergangenheit einen Hahn und dokumentiert damit die Infrastruktur der Siedlung. Der Kurfürst bestätigt die Brau- und Schankgerechtigkeit, sowie den Ausschank von Wein und die Weiterführung der Schenke, „da sie von Alters her bestehe". Als Vorschrift gilt:... die sieben große Höf sind zu erhalten, das Bier darf nur mit gothschem oder Waltershäuser Malz gebraut werden, der Wein muss vom Rhein, aus Franken oder Thüringen kommen.

 

In Gräfenhain beginnt die Tradition der Dorfhirten. Die aus Franken stammenden braunen Kühe, die gleichzeitig als Zugtiere eingesetzt werden, weiden generell im Bereich  des Waldes, wo üppige Waldwiesen gedeihen. Der älteste Hirt, Paul Bapst, erreicht das 104. Lebensjahr. Organisator der Weideplätze ist der Wiesenvogt des Amtes Georgenthal, der auf dem Schwarzwald sitzt. Als erstgenannter Heimbürge fordert Dietzel Döbel, der gleichzeitig die Nachbarsiedlung Nauendorf mit verwaltet, um 1558 in einem Protestbrief an den Weimarer Hof einen vernünftigen Pfarrer für die Inwohner der beiden Dörfer Gräfenhain und Nauendorf.

1568 erhält Gräfenhain einen eigenen Pfarrer. 1592 wird an die Taufkapelle ein Turm angebaut, ausgestattet mit Glocken und einer Stundenuhr. In der Folge sichert man das Kirchengelände und den Gottesacker durch eine hohe Feldsteinmauer. Vor der Kirche entsteht ein Schulhaus und fünf Dorfbrunnen versorgen die Bewohner mit Trinkwasser. Die oberste Kirchenbehörde bestimmt die Gräfenhainer Kirche zur Pfarrkirche und bezieht gleichzeitig die Bewohner von Nauendorf, vom Stutzhaus und von Georgenthal ein. Die Kinder vom Stutzhaus besuchen die Schule zu Gräfenhain. Der erste ansässige Pfarrer, Christopherus Linde, bekleidet sein Amt über 47 Jahre. Er holt den Schulmeister Gallus Homburg nach Gräfenhain, welcher von den Dorfbewohnern wegen ausgezeichneter Lehrtätigkeit sehr viel Achtung erfährt.

1602 genehmigt Herzog Johann Casimir dem Dorf Gräfenhain eine eigene Schäferei mit der Anzahl von 300 Schafen. Es folgen die Pestjahre 1625 - 1628 und 1635 - 1637 mit vielen Opfern. Insbesondere Familien mit Kleinkindern fliehen in andere Ortschaften und verlassen sogar die Region.

Ab 1640 regiert Herzog Ernst I. von Sachsen Gotha das südliche Gothaer Land.

1643 entsteht die erste Gräfenhainer Dorfordnung, Schultheißen lösen die Heimbürgen ab. Der 30-jährige Krieg wütet insbesondere in seinem letzten Drittel in Gräfenhain. Wiederum verlassen viele Bewohner aus Angst und Schrecken das Dorf.

1656 errichtet die Gemeinde ein neues Schenkshaus, welches Ausschank und Herberge, Dorfverwaltung und „Geldinstitut" in sich vereint. Zur Belustigung der Dotfbewohner wird das Schenkshaus mit einem Tanzboden ausgestattet.

1658 - 1662 bemüht sich die Gemeinde um den Wiederaufbau der im 30-jährigen Krieg stark zerstörten Kirchhofsmauer. Der Schultheiß Paulus Schmidt, Hufschmied und Musikant, lässt zum allgemeinen Vergnügen der jungen Männer des Dorfes ein Kugelleich neben der Schenke anlegen und nach amtlicher Vorgabe einen „Pranger" für Straffälle an der rechten Seite des Schenkshaus' anbringen. Als Zahlungsmittel gilt in Gräfenhain vorwiegend das Bier. Tagelöhner und Musikgruppen entlohnt man mit Bier, welches je nach Leistung in „ Kanne, halber Eimer, ein Eimer oder mehre" ausgegeben wird. Die Haupttätigkeit der Bewohner zu diesem Zeitpunkt besteht vorwiegend im Ackerbau und in der Waldarbeit. Zwei Köhlereien und eine Saigerhütte zur Bearbeitung des Kobalterzes bestimmen den Dorfalltag. Die vorhandenen Kuh- und Pferdegeschirre bezieht das Amt Georgenthal in gewisse Fronleistungen ein, d.h., die Besitzer müssen auf Anforderung des Amtes während der Ernte, bei der Jagd oder für Truppendurchzüge erhebliche Transportleistungen bringen.

Gegen Ende des 17. Jahrhundert entwickelt sich das Fuhrmannswesen, die besten und erfolgreichsten Fuhrleute bezeichnen sich als „Fuhrmannund Handelsmeister". Ihre großen Häuser, die zwischen 1750 und 1760 entstehen, zeichnen sich aus durch die hohen Einfahrtstore, an oder in die Häuser gebaut. Einige bestehen bis heute. Die Touren der Fuhrleute gehen nach Holland, Danzig und Breslau. Die übrigen Fuhrleute , die im regionalen Umfeld tätig sind, nennen sich „Anspänner".

Der Schulmeister Valentin Töpfer kauft ein Wohnhaus und richtet darin zusätzliche zur Schule zwei Schulstuben ein. Er gründet den „chori musici"und gilt als Vater der Gräfenhainer Musikantentradition.

1716 trennt sich das Stutzhaus von der  Gräfenhainer Kirche, um 1721 der inzwischen angewachsene Ort Georgenthal, beide Orte verfügen inzwischen über eine eigene Pfarrei.

Das 18. Jahrhundert ist gekennzeichnet vom Bau der Dreifaltigkeits-Kirche um 1727/1728, mit barocker Gestaltung und Tielemann-Orgel.

Neben dem Fuhrmannsgewerbe entwickelt sich eine Zimmerer-Tradition, die Gräffenhahner Zimmerlüt" sind durch ihre Qualitätsarbeit weithin bekannt.

Sie verfügen über die Zimmerer - Zunft und sind verantwortlich für Lehr- und Meisterausbildung bis 1901. Der dominierende Pfarrer dieses Zeitabschnitts ist Paul Hempel, der neben seinem Engagement für den  Kirchenneubau als Schlichter zwischen Einheimischen und angeheuerten Bergleuten aus Europa genannt wird. Die teilweise grausamen Geschehnisse dokumentiert sein jüngster Sohn Christian Friedrich Hempel im Gräfenhainer Kirchenbuch.

Mit dem Jahr 1806 beginnen große Belastungen für Gräfenhain, die Truppen der Franzosen und ihrer deutschen Verbündeten richten im Dorf ein Kantonierquartier ein. Das Dorf muss sämtliche Nahrungs- und Futtermittel den Truppen zur Verfügung stellen. Johann Christian Messing, Schultheiß, nimmt eine Anleihe auf seinen Besitz auf und kauft für die hungernden Einwohner Brot und Futter für ihre Tiere.

Nach dem napoleonischen Krieg fallen die Zollschranken, unseriöse Händler nutzen die Dorfbewohner mit ihren mehr als zweifelhaften Praktiken aus. Wieder entsteht Armut. Es beginnt die Auswanderung verarmter Einwohner.

Nach 1834 beginnt das Dorf sich zu erweitern, die Straßen werden ausgebaut, die Industrialisierung erreicht auch Gräfenhain.

1840 vernichtet ein Großbrand viele Häuser, darunter den Pfarrhof und die Schule.

Der Kaufmann Carl Halbig gründet 1856 in Gräfenhain eine Porzellanfabrik und stellt Puppenköpfe her. Seine Geschäftsbeziehungen reichen bis in die USA. Inzwischen entwickeln sich im Dorf verschiedenen Vereine, dem Holzhauer-Verein steht ein Oberholzhauer vor, die Schützengesellschaft baut den Schützenhof und veranstaltet das jährliche Vogelschießen. Dieses Gasthaus nutzen auch die Turn- und Gesangsvereine, die sich auf das Maibrunnenfest und Gesangs - Wettbewerbe konzentrieren, als Veranstaltungsort. Weitere Kleinbetriebe, besonders im Metallbereich, entstehen. Ein SPD - Ortsverein gründet sich, ein Armenhaus wird gebaut, eine Kochschule und eine Kleinkinder - Bewahranstalt eingerichtet.

Das Dorf erhält Wasserleitungen in jedes Haus, das Abwasser entsorgt eine gut angelegte Kanalisation. Gaslampen erhellen die Dorfstraße, auf den bis dahin tätigen Nachtwächter verzichtet die Gemeinde. Die Firma Simon und Halbig und die Besitzer der Schneidemühle Pfestorf und Hähnlein liefern elektrischen Strom für die Einwohner. Inzwischen hat sich ein Postamt etabliert, ebenso eine Raiffeisenbank. Zu verdanken haben die Einwohner die gelungene Dorfentwicklung dem besonders engagierten Pfarrer Ernst Härter und dem Unternehmer Carl Halbig.

1907 ist die Infrastruktur vollständig und Gräfenhain ein modernes Dorf.

1912/1913 bepflanzt die Gemeinde den Mittelsteifen der Dorfstraße mit Lindenbäumen, ein prägendes Wahrzeichen des Dorfes bis heute.

Der Krieg 1914 - 1917 fordert unter den Einwohnern Opfer, ein Kriegerdenkmal auf dem Schützenhof erinnert an die Gefallenen. Die zwanziger Jahre  des zwanzigsten Jahrhunderts sind geprägt von der Inflation, ein Brot kostet täglich mehr, 20.000 Mark sind ein unvorstellbar hoher Betrag. Die großen Unternehmer, die Bankenbesitzer und die Besitzer der Handelshäuser sanieren sich auf Kosten der allgemeinen Bevölkerung. Diese Haltung führt zu Konsequenzen in der politischen Entwicklung im ganzen Land. Die Verzweiflung der Einwohner von Gräfenhain drückt sich aus in der Kommunalwahl 1931, Nationalsozialisten und die kommunistische Linke erhalten fast gleichviel Stimmen, die Sozialdemokraten sind mit 12 Stimmen am Ende ihrer Einflussnahme. Eine verhängnisvolle Situation, die verheerende Konsequenzen hat.

1941 - 1945 tobt der zweite Weltkrieg. Die Männer des Dorfes im wehrfähigen Alter werden „eingezogen", wer sich weigert, muss mit standrechtlicher Erschießung rechnen. Am Kriegsende zerstören die einrückenden Alliierten den Schützenhof und beschädigen die Gräfenhainer Kirche schwer. Wieder gibt es Opfer, an die inzwischen ein Denkmal auf dem Gelände des Kirchhofs erinnert. Im Dorf beginnt der Entnazifizierungsprozess und die Enteignung der Firmen und Landwirtschaftsbetriebe. Durchziehende Polen rauben, vergewaltigen und erschießen alte Leute, die sich schützend vor die Frauen stellen. Das Dorf muss inzwischen Aussiedler und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten verkraften, 5 bis 6 Personen hausen in einem Zimmer. Die alliierten Truppen machen der Sowjetarmee Platz, der Alltag beginnt sich zu normalisieren.

1949 wird die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Die Betriebe gehen in Volkseigentum über, die Einwohner mit Landbesitz müssen sich zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zusammenschließen. Eine sozialistische Gesellschaft wird angestrebt. Gleichzeitig entsteht im Bereich der Alliierten Truppen die Bundesrepublik Deutschland, das ehemalige Deutsche Reich ist zweigeteilt.

1953 gibt es in der DDR einen Aufstand der Bewohner gegen Zwangskollektivierung und Unfreiheit. Am Steiger entsteht ein Splittwerk, welches in der Perspektive den landschaftlich guten Eindruck der Lage des Dorfes erheblich einschränkt.

1954 beginnt das Ehepaar Müller , Lehrer, mit der privaten Vermittlung von Ferienplätzen in Gräfenhain. Zusammen mit dem Friseur Kurt Rölke entwickelt sich der so genannte Feriendienst, eine Kurkommission wird gegründet. Der in der DDR auch für Urlaub und Feriendienst zuständige Gewerkschaftsbund FDGB vereinnahmt diese Aktivitäten der Privatinitiative. Inzwischen gibt es wieder einen Betrieb, der Puppen herstellt, die Marke trägt die Bezeichnung „biggi". Viele Gräfenhainer sind in Heimarbeit mit der Herstellung von Scherzartikeln und Maskenfertigung befasst. Kleine Betriebsteile der volkseigenen Industrie im Metallbereich sorgen für Arbeit. In den kommenden Jahrzehnten ist die Arbeit und die Ernährung der Einwohner gesichert. Die Bewohner richten sich in ihren „Kollektiven" ein, so gut es geht und bewähren sich in der „Mangelverwaltung". Sie nehmen ihre Unfreiheit in persönlicher Entwicklung und Reisemöglichkeit auf sich. Das „ökonomische Aus" der DDR führt 1989 die Wende herbei, die den unnatürlichen Zustand der Teilung Deutschlands in Ost und West beendet.

Die Gräfenhainer bewältigen auch diese gravierenden Veränderungen, nach der Straßenerneuerung erhalten die Häuser ein freundliches Aussehen. Die durch Braunkohleheizung verpestete Luft erfährt eine enorme Verbesserung, der überwiegende Teil der Hausbesitzer entscheidet sich für die umweltfreundliche Gasheizung. Für die Dorf vereine beginnt eine schwierige Phase, die bisherige Unterstützung durch die volkseigenen Betriebe fällt weg, sie sind auf sich selbst angewiesen und müssen sich „Sponsoren" suchen, von denen sie sich  finanzielle Unterstützung erhoffen.

1992 gründet sich der Verein „Kulturpflege Gräfenhain - Nauendorf e.V.". Im alten Schulhaus zu Nauendorf richtet der Verein ein Dorfmuseum über die Industriealisierungsphase der beiden Dörfer ein, insbesondere zu den Berufen Porzelliner, Puppenkopfformer, Porzellanmaler, Maskenhersteller, Zwirnknopf-hersteller und  Zigarrendreher. Außerdem beinhaltet das Museum die bis weit ins Ausland reichende Herrmann/Hermann - Familiengeschichte, die um ca. 1550 in beiden Dörfern ihren Anfang nahm. Die ständigen Treffen dieser Familien sind gelebte Globalisierung vor Ort.

Gräfenhain erhält einen Festplatz, und über ein Jahrzehnt wird jährlich erfolgreich ein Oktoberfest gefeiert. Gefeiert wird zunächst das Maibrunnenfest, zurückgehend auf die Dorffeste ab 1830, die Brunnen erhalten bis heute zur Maienzeit einen sehr ausgeprägten, auf die frühe Geschichte eingehenden, Schmuck. In dem Wiesen - Feuchtgebiet „Die Rinn" entsteht ein ansehnliches, sehr individuell gestaltetes Gräfenhainer Neubaugebiet.

Die 400 - Jahrfeier zur „Gräfenhainer Schultradition" 1993 zeigt noch einmaldie Ambitionen der Dorfbewohner, ihren Kindern die in der Vergangenheit bestmögliche, allumfassende Bildung angedeihen zu lassen. Schulmeister, die den Anforderungen der Dorfbewohner nicht entsprachen, mussten ihren Dienst verlassen. Auf Grund geringer Schüleranzahl wird die Gräfenhainer Schule geschlossen, die Schüler in anderen Orten beschult. Eine sehr ambivalente Entscheidung für den Bestand einer Dorfgemeinschaft.

 

 

 

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